„Ich war ein Nazi“

Daniel aus Chemnitz erzählt

Sieg Heil, Sieg Heil, Sieg Heil…. Wieder fand ich mich in einer tobenden und grölenden Masse Jugendlicher wieder, die alle relativ gleich aussahen. Bei den Klängen unserer Lieblingsband träumten wir von einem sauberen und weltbeherrschenden Deutschland. Wie konnte uns die Welt so ignorieren?! Wir waren doch die Herrenrasse mit den Genen, die uns doch die Übermenschlichkeit zusprachen – so dachten wir. Ich war überzeugt, auf der richtigen Seite zu stehen, den guten Kampf zu kämpfen. Wir glaubten, dass unser Reich zerstückelt, besetzt und ausgeraubt war. Deutsche Familien waren vertrieben, unsere Kultur, unsere Sprache, alles was mir liebenswert schien, war verstümmelt, verbogen und verfälscht. Wie konnte ich das zulassen? Wie konnte ich weiter mit ansehen, dass meine Heimat immer mehr ihren Glanz verlor, ihre vorbestimmte Rolle als Maßstab der Welt war ihr doch sicher, oder?

Bis zu meinem 14. Lebensjahr war mir all das herzlich egal. Ich ging normal in die Schule und war ein überdurchschnittlicher Schüler: angesehen, sportlich und ohne Not. Ich wuchs im Heckertgebiet auf und war ein Freund von harter, schneller und aggressiver Musik.

Mein Herz blühte auf, als ich 1989/90 die ersten Songs von sogenannten Nazi-Punkbands vernahm. Die Texte waren schon etwas eigenartig, aber die Musik war echt cool, so richtig eingehend. Je mehr ich die Musik hörte, desto weniger erschienen mir die deutschen Texte komisch, und nach einer Weile fand ich sie genauso toll wie die Musik. Von nun an sang ich ständig diese Lieder und eigenartigerweise ging es anderen genauso wie mir. Jeder kannte seine Mission, wir waren uns einig, sangen dieselben Lieder, hatten dieselben Ziele und wieso sollten wir nicht auch unsere Freizeit miteinander verbringen?

Wir jagten Ausländer durch die Stadt, überfielen Jugendclubs, sprühten Parolen an Häuserwände, zettelten Schlägereien an und hassten einfach alles, was Deutschland nach unserer Auffassung schadete. Es war ja schließlich nicht unsere Schuld, dass wir so viele Feinde hatten, meinten wir. Und nur wir durften entscheiden, wo man Kompromisse eingeht, denn vieles bei uns war nicht ganz so deutsch, wie man vielleicht glaubt. So prügelte sich beispielsweise ein ganzer Konzertsaal, weil ein Streit zwischen zwei Skinheadgruppen ausgebrochen war.

Nach vielen deutschlandweiten Treffen, Konzerten, Demonstrationen, Parteiveranstaltungen und einigen gelesenen Büchern wollte ich, dass jeder Deutsche „richtig deutsch“ wird. Es musste jedem bewusst werden, welches Potenzial in ihm schlummert. Ich sah meine Aufgabe darin, dieses Potenzial zu wecken.

Als hartnäckigste Gegner erwiesen sich Christen. Egal, was ich zu ihnen sagte, sie hatten immer eine passende Antwort. Und die klang auch noch logisch und ich konnte so gut wie nichts darauf erwidern. Irgendwie waren die so weit ab vom richtigen Weg, dass ich mir etwas Besonderes einfallen lassen musste, um sie zu gewinnen. So wollte ich sie mit ihren eigenen Waffen schlagen. Und weil sie große Freude daran hatten, mich mit sogenannten Bibelsprüchen zuzuquatschen, entschloss ich mich, dieses uralte Buch zu lesen. Ich hoffte dadurch, sie bald als neue Kameraden ihrer Bestimmung zuführen zu können.

Und so las ich alles von der Erschaffung der Welt über den Bau der Stiftshütte, Propheten und Engel, über Kriege, über Jesus und über Gebet. Irgendwann fing ich an zu beten, denn das machten so ziemlich alle in der Bibel. Der Inhalt dieses Buches wurde lebendig für mich. Ich las und betete jeden Tag. Mein Leben begann, sich zu verändern. Ich bekam eine andere Sicht. Mir wurde klar, dass es mehr gibt, mehr als das, was ich kannte. Wenn es einen Gott gibt – was bedeutet das für mich? Das wusste ich nicht. Ich folgte einfach nur meinen Empfindungen. Ich schmiss meine ganzen Nazi-Sachen weg: Musik, Klamotten, Zeitschriften, Bilder, Plakate. Ich räumte richtig auf bei mir und distanzierte mich von der “Szene”. Dazu erzählte ich der “richtigen” Person, dass ich jetzt Christ bin. Kurze Zeit später wussten es alle. Aber es kam niemand zu mir, um mich fertig zu machen. Ich war frei! Ich konnte endlich wieder Gefühle zeigen. Mein Herz war so anders geworden, ich konnte sogar wieder weinen, und das tat so gut. Ich musste niemanden mehr irgendetwas beweisen, um den Schein zu waren. Nein, ich konnte jetzt so sein, wie ich bin, und das war wundervoll. Es fiel eine gewaltige Last von mir ab.

Die Hoffnung und die Gewissheit, dass Gott Leben verändert und dass diese Welt nicht alles ist, treibt mich an, auch anderen von Gott zu erzählen. Es brennt mir auf der Seele, es muss einfach jeder wissen, dass das Leben einen wirklich tiefen Sinn hat. Ich kann nicht schweigen über dieses Wunder, welches Jesus an mir getan hat. Und jedem möchte ich sagen: Egal wie es dir geht, wo du stehst, was du glaubst, egal wie lächerlich oder absurd das alles für dich scheinen mag: Lass dich nicht abhalten von deinem Wunder!

Daniel: Ich war ein Nazi
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