Das Leben neu gefunden

Sylvia aus Chemnitz erzählt

25 Jahre drehte sich die Welt um mich, dachte ich zumindest. Ich heiratete mit 19 Jahren. Wir alberten immer, unsere Ehe wäre eine Zweckgemeinschaft, keine Liebesheirat, weil wir aus der DDR ausreisen wollten. Im März 1989 durften wir ausreisen. In diesem halben Jahr Vorsprung bis Grenzöffnung hatten wir unsere Nahziele erreicht. Wir hatten eine schöne Wohnung, eine gesunde Tochter, ein Auto und waren das erste Mal in Griechenland im Urlaub.

Im Frühjahr 1992 kam mein Mann auf die Idee, sich von unserem ersparten Geld entweder in unserer Geburtsstadt Chemnitz als Handwerker selbstständig zu machen oder einen Portugal-Urlaub zu finanzieren. Wir entschieden uns für Ersteres.

Das erste Jahr wohnten wir bei meinen Großeltern auf engstem Raum und hatten auch noch den Firmensitz bei ihnen. Ich war sehr viel allein mit unserer Tochter. Dann bekamen wir eine große Wohnung auf dem Kaßberg, die wir mühevoll ausbauten. Um die Firma aufzubauen, brauchte es viel Zeit, und es galt, Kontakte zu knüpfen. Ich war sehr unglücklich. 1995 war ich dann wieder schwanger, aber ich wollte das Kind nicht, denn unsere Ehe war so ziemlich am Ende.

Ich fuhr zur Kur, dort fand ich Ruhe und erkannte den Wert einer Familie. Ich fing an, das heranwachsende Kind in meinem Bauch zu lieben. Mein Mann und ich kamen uns wieder näher und freuten uns auf das Baby. Doch als das Baby am 2. November 95 geboren wurde, ging für mich eine rasante Talfahrt los. Es hatte einen sehr schweren irreparablen Herzfehler und starb nach 10 Tagen. In mir waren 1000 Fragen. Mein Mann umsorgte mich sehr, aber mein Leben hatte seinen Sinn verloren.

Ich suchte nach Menschen, die meine Erfahrung teilten, die mich trösten konnten, die mich verstanden. In Chemnitz gründete sich gerade die Selbsthilfegruppe „Verwaiste Eltern“ in der KISS. Da ging ich hin. In Bad Segeberg nahmen wir als Familie an einem Trauerseminar teil. Das war sehr tief und gut, wenn auch das Leid aller Teilnehmer uns fast erdrückte. Im Lauf der nächsten Monate erwartete meine Umwelt, dass ich nun ins Leben zurückkehrte, aber ich war unfähig. Die Probleme in unserer Ehe häuften sich wieder. Ich kam immer mit meinen Sorgen in die Gruppe, bis eine der Teilnehmerinnen mir eine Einladung für den Alphakurs in der Lutherkirche gab – schon am nächsten Tag sollte er beginnen.

Ich fragte mich, was ich denn in der Kirche sollte, was die von mir wollten, aber ich ging hin. Ich kam in eine sehr liebevolle Atmosphäre. Ich fühlte mich wohl und staunte über Jesus. Niemals zuvor hatte ich von ihm gehört, ich wusste nicht wer Gott war, und schon gar nicht, was Jesus für mich getan hat. Aufmerksam hörte ich zu und stellte jede Menge Fragen in der Kleingruppe. Ich hatte eine sehr liebe Gruppenleiterin, die geduldig zuhörte und jede Frage beantwortete. Ich kam regelmäßig und beäugte argwöhnisch, ob diese Liebe unter den Mitarbeitern anhielt. Am einem Abend, als es um Krankenheilung ging, kam aller Schmerz aus mir heraus. Ich weinte haltlos. Es wurde für mich gebetet. Woche für Woche passierten Dinge, an die ich nicht mehr geglaubt habe – Wunder über Wunder für mich. Von ganzem Herzen wollte ich zu diesem Jesus gehören, der mich von dieser Last befreite. Nach zwei Jahren hielten wir ein neues Baby in den Armen. Ich konnte Jesus Liebe für mich in meinem Herzen spüren. Sie war wie eine sprudelnde Quelle. Ich bin ihm sehr dankbar für dieses neue Leben. Nach vielen Gebeten kam auch mein Mann zum Glauben. Sein Weg ist wieder eine spannende Geschichte für sich. Heute sind wir zu fünft glücklich mit Jesus und wollen seinen Weg gehen.

Sylvia: Das Leben neu gefunden
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